Starre

Veröffentlicht auf von Amanda McHaley

Er war tatsächlich weg. Ich hatte gemerkt, wie froh er war, ins Auto steigen zu können und fortzufahren. Die Tränen liefen mir die Wangen herunter... Natürlich wollte ich stark sein für meine Kinder. Die großen versuchten selbst mit dem Schock klarzukommen. Sharon verwirrte die Stimmung im Haus offensichtlich. Sie merkte etwas stimmte nicht und fragte mich immer wieder was denn los wäre.. Ich wollte nicht mit ihr darüber sprechen, noch nicht. Erst musste ich mir selbst klar werden, was passiert war und wie ich es ihr sagen sollte...

 

Ich ging ins Wohnzimmer und setzte mich auf die Couch machte den Fernseher an und verfolgte die Tsunami Katastrophe. Ich schlief in dieser Nacht nicht, genauso wenig wie in den folgenden Nächten. Ich aß nicht.. Tagelang war ich wie in einem dunklen Loch, hoffend, dass Wolfgang anrufen oder vor der Tür stehen würde, um mir zu sagen, dass er es sich überlegt hätte und doch bliebe. Nichts dergleichen geschah...

 

Im Alltag funktionierte ich zwar, aber meine Kinder und meine Eltern machten sich zunehmend Sorgen um mich. Ich konnte und wollte nichts essen, ich erklärte ihnen ich müsse diesen Schlag erst verdauen.

 

Mit Wolfgang war nicht nur mein Ehemann weg, sondern auch mein bester Freund. Wir hatten selbst als er in München war jeden Tag mindesten 2 mal telefoniert. Aber nun wollte er nicht mit mir sprechen. Ich war wie ein Drogenabhängiger auf Entzug. Ich saß da mit dem Telefon in der Hand und wollte anrufen, mit ihm reden, seine Stimme hören, und spürte es körperlich, das ich es nicht konnte, nicht durfte...

 

Ich hatte mit ihm ausgemacht, dass er am folgenden Wochenende wiederkommen sollte und ich ihm dann mitteilen würde, was ich jetzt nach der Trennung von ihm erwartete, bzw. wie es weitergehen sollte.. Meine Gedanken ratterten 24 Stunden nonstop durch mein Gehirn...

 

Zwischen den Jahren traf ich mich mit meiner besten Freundin Elena und einer Freundin von ihr, Chrissi, die ich bis dahin nicht kannte.. Auch sie hörte geschockt meinen Erzählungen zu. Sie versuchte mich zu trösten, mich zu unterstützen. Ich war für jedes gute Wort dankbar und vor allem, dass mir jemand zuhörte. Die Kinder konnten, wollten und sollten nicht, mein Freundeskreis bestand aus genau 2 Leuten. Und Wolfgang fiel aus...

 

Eine Bekannte, Tatjana, die Mutter von Sharons bester Freundin, hatte wohl Mitleid mit mir als sie von der Trennung erfuhr und kam zu mir um mit mir zu reden. Wir redeten und redeten... Es tat mir so gut... Schließlich meinte sie, sie wolle mich auf andere Gedanken bringen und mit mir an Silvester etwas unternehmen, ausgehen. Sie hätte schon mit ihrem Mann gesprochen und der hätte nichts dagegen und würde ihre beiden Kids hüten. Sie ließ nicht locker und so stimmte ich zu. Wir gingen aus und nachts am 1.1.2005 aß ich endlich wieder eine Kleinigkeit.

 

Um 00:00 Uhr schrieb mir Wolfgang eine SMS: „Lass uns Freunde bleiben...“  Wütend schrieb ich ihm zurück...

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Saltira 01/31/2009 21:12

In den schwierigsten Zeiten sieht man, wer zu einem steht...

LG

Amanda McHaley 02/01/2009 16:45


Ja das ist wohl wahr, Saltira... Oft ist es für die anderen gar nicht so einfach zu helfen. Das habe ich in den letzten Jahren auch gelernt... LG, Amanda


Carolinee 01/30/2009 18:24

Liebe Amanda

hmm hmm bedrückend.

schön das dein Umfeld aufmerksam war und dich unterstützt hat . diese Zeit zu überstehen.

Trennungen sind immer hast.

du hast es sehr schön geschrieben..

lg carolinee

Amanda McHaley 01/30/2009 22:26


Liebe Carolinee, ja es war eine der schlimmsten Erfahrungen, die ich bis jetzt gemacht habe... Aber ich habe dadurch auch viel gelernt, sehr viel.  Und es hat mich verändert. Ein Gedanke, der
mir in der Zeit sehr geholfen hat war, dass ich in ein paar Jahren zurückblicken werde und es wird nicht mehr weh tun. Zwar konnte ich es mir in den dunklen Momenten nicht vorstellen, aber es war
dennoch tröstlich. Gott sei dank bin ich jetzt an dem Punkt. Das ist einer der Gründe, warum ich es gerne erzählen möchte...

Es freut mich dass Dir gefällt, wie ich schreibe..Danke! Lieben Gruß, Amanda